Die Elektroplanungsbranche führt einen mörderischen Preiskampf und rechnet dabei mit einer Formel, welche die heterogen Leistung nicht korrekt wiedergibt. Die SIA-Honorarformel, welche die gesamte Leistung in Funktion der dritten Wurzel aus der Bausumme wiedergibt ist historisch begründet. In einer Zeit wo der grosse Teil der Bausumme aus Elektroinstallation und ein paar Schaltgerätekombinationen bestand, hatte sie meinetwegen noch eine Berechtigung. Heute setzen sich die Arbeiten aber aus vielen anderen Komponenten wie Anlagenbau in den Bereichen Notstrom, Trafostationen, grossen Energieverteilung und auch aus Anlagen die als fertige Produkte angeliefert werden zusammen, wie z. B. USV-Anlagen, Brandmeldeanlagen, Videoanlagen etc.

 

Der Leistungsumfang bei solchen Anlagen ist nicht der selbe. Wenn man alles über den selben Leist schlägt, entstehen zwangsläufig Quersubventionen. Im Anlagenbau und auch bei USV-Anlagen delegieren die meisten Planungsbüro die Leistung teilweise vollständig an die Lieferanten. Die hohen Investitionskosten, die honorarberechtigt zu den Installationskosten gezählt werden und damit mit der Honorarformel zu einem Gesamthonorar verrechnet werden, ergeben ein falsches Bild der Kosten.

 

Die Folge ist, dass die Planungsbüros pragmatisch die zeitaufwendige Elektroinstallation mit den Anteilen aus dem Anlagenbau quersubventionieren. Die Planungsqualität im Bereich des Anlagenbaus ist teilweise unter allen Massstäben, wie mir enttäuschte Bauherren immer wieder bestätigen. Die Planungsbüros haben keine Kompetenzen in diesen Bereichen und delegieren die Arbeiten an die Lieferanten und Anlagenbauer. Weil das alle oder eben die meisten tun, sinkt das Preisniveau zu Gunsten kurzfristiger Auftragsakquisition. Das nützt niemandem, schadet aber der Branche, weil der Ruf der gesamten Branche dadurch am Boden ist. Das schadet aber auch anderen: Ingenieurbüros, die im Bereich des Anlagenbaus sehr detaillierte Arbeiten leisten und dabei fundierte Kenntnisse bieten, können nicht mehr kostendeckend arbeiten. Für sie wird die Luft immer dünner.

 

Der elitäre SIA, der nur Akademiker höchster Stufe als Mitglieder akzeptiert, verschläft die Situation. Weil neuere Planungsbüros keine ETH-Ingenieure (mehr) beschäftigen, können sie auch nicht dem SIA beitreten. Sie sind in anderen Verbänden organisiert: USIC und was besonders bedenklich ist: Beim Verband der Elektroinstallateure (VSEI), dazu weiter unten. Der Mitgliederschwund ist dem SIA wohl bekannt. Daher schaut er auch bei den Alteingesessenen nicht nach, ob die noch ETH-Ingenieure beschäftigen. In den vergangenen 20 Jahren wurde Ingenieurbüros von Ihren Besitzern und Inhaber eines ETH-Titels an Jungunternehmer weitergegeben, die keinen ETH-Titel haben und den für die Elektroplanung notabene auch nicht brauchen. Aber den SIA interessiert das aus naheliegenden Gründen nicht. So kommt es, dass die Branche nach Aufhebung des Kartelles anfangs der 1990er-Jahren verzettelt organisiert ist und dem gut und kohärent organisierten KBOB gegenüber steht. Der KBOB vertritt die öffentlichen Bauherren, aber auch private institutionelle Bauherren blicken gerne auf diese Massstäbe. Daneben ist noch die weniger bekannte Interessengemeinschaft privater und professioneller Bauherren IPB, welche die gleichen Interessen wie der KBOB bezüglich Einkauf von Planerdienstleistungen vertritt. Es ist geschlossenes Oligopol, ja man könnte sogar von einem Auftraggebermonopol sprechen, entstanden. Es stehen also viele schlecht organisierte Anbieter zwei grossen Abnehmermächten gegenüber. 

 

Das alles muss zwangsläufig langfristig zu einem vom Preis getriggerten Wettbewerb führen, der sich in einer Abwärtsspirale bewegt: Schlechter Preis, schlechte Dienstleistung, noch schlechter Preis noch schlechtere Dienstleistung usw. Eine Profilierungsstrategie ist hier drin nicht mehr möglich, nicht mehr glaubwürdig.

 

Wenn auch die Rechnung für grosse und mittlere Büros, die Multiplikationseffekte nutzen können, heute noch aufgehen dürfte, so muss sich die Frage gestellt werden wo das hinführt. Kleinere Elektroplanungsbüros ziehen mit und gehen den selben Weg. Sie habe weniger Overhaedkosten, daher geht es auch noch. Sie machen sich oft auch zu nutzen, dass im Bereich des Anlagenbaus nicht viel Arbeit ausser schön davon zu reden anfällt. Aus der Situation heraus orientieren sich einige auch an neuen Geschäftsmodellen, die zwischen Generalunternehmen und Planung angesiedelt sind. 

 

Genau diese Tendenz ist besonders heikel für die Bauherren. Auch dass die Elektroplaner bei VSEI Mitglied sind, ist heikel. Es gibt den Grundsatz der strengen Trennung zwischen Planung und Ausführung. Dieser wird damit subtil und schleichend untergraben. Der Planer soll klar auf der Seite des Bauherrn stehen, seine Interessen vertreten und die gesamte Projektabwicklung bedingungslos nach den Interessen des Bauherres ausrichten. Das kann und macht er nicht mehr, wenn er in einem Verband der Gegenseite ist. Der VSEI nimmt aber nicht nur über die Mitgliedschaft Einfluss auf die Planer, sondern auch über die Ausbildungen Elektroplaner/In EFZ, Elektroprojektleiter mit FA usw. Auch Ausbildung für die höhere Fachprüfung zum Elektroinstallateur enthält Planungsbestandteile. Nicht wenige sind dann in Planungsbüros tätig. Der VSEI verlangt von den in der Branche tätigen Büros, die nicht im Verband sind, aggressiv Beiträge für diese Berufsbildungen. Diese Strategie ist gut für die Installationsfirmen, nicht jedoch für die Planer und Bauherren. Denn diese Vermischungen sind gefährlich, sie untergraben die Glaubwürdigkeit einer ganzen Branche. Sie führen aber auch zu höheren Kosten, denn es werden Gefälligkeitsinvestitionen getätigt, ausführungsfreundliche Ausschreibungspakete geschnürt usw.

 

Es ist also eine Neuorientierung notwendig und die kommt ganz bestimmt. Es ist nur noch nicht klar, ob sie von der Bauherrenseite oder von einem innovativen Marktteilnehmer her kommt. In diesem Zusammenhang kommt mir gerade die Situation auf dem Handymarkt in den Sinn, als Apple mit dem iPhone in den Markt eintrat. Auch da war das Angebot bei den Smartphones schon seit Jahren höchst unbefriedigend.

 

Verbesserungen an Qualitätssicherungsinstrumenten wäre nur Symtombekämpfung und bringt ausser Kosten nichts. Marketing und Schönreden ist auch am Ende der Stange angelangt. Auch der Einkauf von Billigdienstleistungen aus dem Ausland ist nicht zielführend. Es braucht hingegen eine Neuorientierung, die sich am Überdenken des Geschäftsmodell entlang der gesamten Wertschöpfungskette orientiert. Das Ändern von Honorierungsmodellen ist dabei nur ein Aspekt unter vielen. Vielleicht muss die Kette auch aufgetrennt werden um neu und völlig anders zusammengesetzt zu werden …

 

Bis es soweit ist, haben wir genau zwei Lösungen: http://www.power-engineering.ch/news/

 

 

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